Auf dich selbst achten: Entlastung für pflegende Angehörige

Wer Eltern pflegt und arbeitet, kümmert sich um alle, nur nicht um sich selbst. Dabei gibt es mehr Unterstützung, als viele wissen. Hier findest du die wichtigsten Wege, dir Luft zu verschaffen.

Frau sitzt mit einer Tasse Tee entspannt am Fenster
Symbolbild, KI-generiert

Verhinderungspflege: Wenn du ausfällst

Bist du krank, im Urlaub oder brauchst einfach eine Pause, übernimmt die Pflegekasse die Kosten für eine Ersatzpflege: für bis zu acht Wochen im Jahr. Voraussetzung ist mindestens Pflegegrad 2 und Pflege zu Hause. Die Ersatzpflege kann ein Pflegedienst übernehmen, aber auch Nachbarn oder Bekannte.

Du musst den Antrag nicht vorher stellen. Es reicht, die Kosten mit Nachweis bis zum Ende des folgenden Kalenderjahres einzureichen.

Kurzzeitpflege: Ein paar Wochen im Heim

Für eine begrenzte Zeit kann dein Elternteil rund um die Uhr in einer Pflegeeinrichtung versorgt werden, das nennt sich Kurzzeitpflege, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt oder während deines Urlaubs.

Ein gemeinsames Budget

Für Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege gibt es ab Pflegegrad 2 einen gemeinsamen Jahresbetrag von bis zu 3.539 Euro. Ihr könnt ihn flexibel für das eine oder andere nutzen.

Tages- und Nachtpflege

In der Tagespflege verbringt dein Elternteil den Tag in einer Einrichtung und ist abends wieder zu Hause. Das ist ideal für Berufstätige. Die Pflegekasse beteiligt sich an den Kosten zusätzlich zu Pflegegeld oder Pflegedienst. Frag bei der Pflegeberatung nach Angeboten in der Nähe.

Entlastungsbetrag: 131 Euro im Monat

Jeder Pflegebedürftige, der zu Hause lebt, hat Anspruch auf bis zu 131 Euro im Monat für anerkannte Hilfen im Alltag, zum Beispiel eine Haushaltshilfe oder eine Betreuung am Nachmittag. Der Betrag wird gegen Rechnung erstattet. Was ihr in einem Jahr nicht nutzt, kann bis Ende Juni des Folgejahres übertragen werden.

Kostenlose Pflegekurse

Die Pflegekassen bieten Angehörigen kostenlose Pflegekurse an. Dort lernst du zum Beispiel, wie du deine Eltern rückenschonend aus dem Bett hilfst. Auf Wunsch findet die Schulung auch bei deinen Eltern zu Hause statt.

Rentenpunkte für die Pflege

Pflegst du einen Angehörigen mit mindestens Pflegegrad 2 regelmäßig mindestens zehn Stunden pro Woche, verteilt auf mindestens zwei Tage, und arbeitest du nicht mehr als 30 Stunden pro Woche, zahlt die Pflegekasse in der Regel Rentenbeiträge für dich.

Eine Kur für dich

Auch pflegende Angehörige können eine Vorsorge- oder Reha-Maßnahme bei ihrer Krankenkasse beantragen. Für die Zeit, in der du weg bist, kann die Pflegekasse die Versorgung deines Elternteils unterstützen. Sprich deine Hausärztin oder deinen Hausarzt darauf an.

Reden hilft

  • Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums ist unter 030 20 17 91 31 erreichbar.
  • Viele Städte haben Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige. Frag beim Pflegestützpunkt nach.
  • Sprich auch mit Freunden und Kollegen. Du wirst überrascht sein, wie viele Ähnliches erleben.

Kleine Dinge, die viel bewirken

  • Plane feste Auszeiten in deinen Kalender, wie einen Termin.
  • Nimm Hilfe an, wenn sie angeboten wird, und sag konkret, was du brauchst.
  • Teile Aufgaben in der Familie auf, auch mit Geschwistern, die weiter weg wohnen.
  • Achte auf Schlaf, Bewegung und regelmäßiges Essen. Das klingt banal, fällt im Pflegealltag aber als Erstes weg.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Die Bundesregierung plant eine Pflegereform, die zu großen Teilen ab 2027 gelten soll. Wir aktualisieren diese Seite, sobald sich etwas ändert.

Wichtig: Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Pflegeberatung. Für deinen Einzelfall helfen dir die Pflegekasse, ein Pflegestützpunkt in deiner Nähe oder das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums (030 20 17 91 31).